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Dorffest in Mochos | Niko Papadakis

Mochos,  ein Bergdorf unterhalb der Lassithi-Hochebene. Über die Serpentinenstraße mit ihrer traumhaften Aussicht  erreichen wir nach 8 Kilometern den sehenswerten Dorfplatz, auf dem sich eine prächtige Dorfkirche sowie zahlreiche Restaurants und Tavernen befinden. Heute ist das Fest der heiligen Paraskevi und der Dorfplatz wurde zur Kulturmeile der Essensmassen. Es  war knapp 22:00 Uhr, als die Menschen aus allen Himmelsrichtungen herbei strömten. Wir suchten und fanden schließlich Platz an einem Tisch, an dem ein Pärchen saß, beide Anfang Fünfzig. Nach einigen zögernden Minuten fragte mich unser Nachbar, woher wir kommen. Ich sagte  aus Deutschland und dass wir zwei Tage vorher hier zufällig vorbeigekommen waren und ein Plakat gesehen hatten und somit beschlossen, wieder zu kommen, aber nicht wussten, dass es so ein großes Fest wäre. Er erwiderte, dass sie aus der Nähe von Delphi stammen und für wenige Tage bei ihrem Sohn, der in Kreta studiert, wohnen. „Wir kommen gerne zu solchen Festen“, fuhr er fort, „in Heraklion unten sind die Tavernen sehr teuer.“ Wir, mit Preisen von Lokalen in Mitteleuropa im Kopf, finden die Preise in den Tavernen nicht zu hoch, aber er sieht es sicherlich aus einer ganz anderen Perspektive. Beide, Thassos und Venetia, so der Name beider, sahen so aus wie man  Menschen der Mittelschicht beschreiben würde. Er meinte weiter, dass er früher viel mit seiner Frau zum Essen ausging, aber jetzt reicht das Geld nicht, da er seit drei Jahren arbeitslos ist. Das vorhandene Geld reicht nur dafür, das Schulgeld für seinen Sohn zu bezahlen. Vor sich hatten sie aus dem Supermarkt eine Flasche Wasser und eine Tüte Zwieback. Inzwischen war ich aufgestanden und hatte aus dem mit Sicherheit mindestens dreißig Meter langen Buffet die diversen Speisen auf ein Tablett geladen. Wie immer viel mehr, als zwei Personen essen könnten. Als ich diese auf dem Tisch ausbreitete, fragte mich Venetia, ob auf diesem Tellerchen Zatziki wäre. Nach meinem Nicken meinte sie, sie würde sich auch einen Teller holen. Meine Frau entgegnete, das brauche sie nicht, weil Zatziki nur sie essen würde und es sowieso zu viel wäre, und schon hatte sich Venetia die Hälfte auf ihren Teller  aufgeladen. Als ich die Berge von Essen vor uns sah und hinüber zu den zwei anderen Tischnachbarn blickte, erfüllte mich Scham, der mir jedoch nicht den Mut gab, die beiden zu fragen, ob sie nicht etwas von den Köstlichkeiten probieren wollten. Die kretischen Rhythmen begannen und in einer Musikpause hörte ich sie zu ihm sagen: „Thassos, die zwei netten Deutschen gehen, ich glaube ich nehme die Teller näher zu uns.“ Wir verabschiedeten uns und kurz vorher sah ich, wie meine Frau die fast nicht berührten Teller etwas zur Mitte schob und die von uns fast leer gegessenen etwas zur Seite.Danke Venetia und  Thassos, dass ihr mit eurer Bescheidenheit und dem gegenseitigem Respekt gezeigt habt, dass nicht vieles Essen und ein voller Tisch Lebenslust bedeuten.
Wie sagt jedoch mein Cousin Kostas: Lieber Gott, wir haben doch nur ein Leben, danke dass ich es als Grieche leben darf.