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Im Notariat | Niko Papadakis
Im Notariat

Bezüglich unserer Wohnung in Kreta musste ein Notar aufgesucht werden.
Nach dem siebten Anruf bekam meine Cousine Eleni einen Termin beim Notar für mittwochs 10:00 Uhr. Eleni meinte, dass die Notarin doch nie vor 11:00 Uhr erscheint und sie würde gegen 10:30 Uhr erst mal anrufen, ob jemand dort wäre, schließlich benötigen wir keine fünf Minuten bis zur Kanzlei.
Schlussendlich betraten wir um genau 10:52 das Büro. Der sehr großzügig bemessene Schreibtisch der Notarin war zu dreiviertel mit Akten voll gestapelt, genau wie der runde Bestelltisch und der große Besprechungstisch am Fenster mit dem wunderschönen Blick auf Heraklion. Farbenfrohe Ordner lagen kreuz und quer. Da seit dem August 2013, was bauliche Maßnahmen anbelangt, neue Gesetze verabschiedet worden waren, erzählte uns Tina, die knapp sechzigjährige, kettenrauchende und nach dem erstem Studium der Regalwand hinter ihr zu urteilen, dem Whisky nicht abgeneigte Notarin, mussten wir einige Beglaubigungen erneut bestätigen lassen. In diesem Moment ertönte die Stimme ihrer Sekretärin: „Manolis lässt sich nicht abwimmeln.“ Tina griff zum Hörer, hörte kurz zu, sagte drei Mal ja, um dann lauthals in den Hörer zu brüllen: „Geh doch zum Teufel, du Dreckskerl“ (hier verbietet  es mir mein gute Erziehung, die darauf folgenden Worte originalgetreu wiederzugeben).
Tina zündete sich eine neue Zigarette an, obwohl eine halbgerauchte im Aschenbecher vor sich hin qualmte und sagte, dass dieser besagte Manolis ein Gauner wäre. Er als Architekt und Bauleiter war von einer Engländerin namens Sarah Hunter beauftragt worden, eine Immobilie zu kaufen. Giannis X. jedoch wollte mitten in Heraklion sein kleines Häuschen verkaufen, weil er jetzt im vierten Jahr arbeitslos war und in sein Heimatdorf Fodele zurückgehen wollte. Seine Frau und die drei Kinder waren seit drei Monaten schon wieder zurück. Manolis, der sich in der Baubranche seit über dreißig Jahre tummelt, ist so gerissen und verzögert den Kauf geschickt, um immer wieder Provisionen bzw. irgendwelche Gebühren zu kassieren. Er erfindet ständig neue Gesetze, damit Sarah einmal € 600. — dann wieder € 1000. — und so weiter überweisen musste und Giannis gegenüber erklärt er, dass er doch wüsste wie diese Ausländer wären, die wollen einem über den Tisch ziehen, und deshalb würden sich die Verhandlungen in die Länge ziehen. Die ersten Unterlagen hatte die Notarin guten Gewissens beglaubigt, als jedoch der besagte Manolis mit einer dritten und vierten neuen Steuer ankam, warf ihn Tina kurzerhand raus. Sie war nicht gewillt, diese Spielchen mitzumachen. Sie hofft auf die Solidarität ihrer Kollegen, aber  Manolis wird sicherlich einen anderen Notar finden.
Trotz allem, wie sagt mein Cousin Kostas: Lieber Gott, wir haben doch nur ein Leben, danke dass ich es als Grieche leben darf.